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MV vom 22.03.2012 Drucken E-Mail
Samstag, 24. März 2012

Liebe FreundeInnen der Rosa Liste,

die für das letzte Rosa-Liste-Treffen am 22. März vorgesehene Wahl zum Vorstand wurde auf Antrag von Thomas Niederbühl mit den Stimmen aller elf anwesenden Mitglieder verschoben. Der neue Termin wird noch bekannt gegeben, wird aber innerhalb der nächsten zwei Monate sein. Damit ist Gelegenheit, die anstehenden Personalentscheidungen gründlich vorzubereiten. Mit sofortiger Wirkung trat Vorstandsmitglied Marion Langlotz zurück. Die Gründe liegen einerseits im Privaten und Beruflichen, andererseits zeigte sie sich aber auch enttäuscht von der mangelhaften Glaubwürdigkeit politischen Handelns. Sie wird bis zur Neuwahl des Vorstands von Michael Tappe und mir vertreten. Bei dieser Gelegenheit gebe ich bekannt, gleichfalls nicht mehr für die Wahl zum Vorstand zur Verfügung zu stehen.

Selbstverständlich unterstütze ich weiterhin mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften die Ziele der Rosa Liste. Mein großer Respekt gilt vor allem den Mandatsträgern und ihrer Arbeit im Rathaus und im Bezirksausschuss. Ich habe aber während der letzten Monate den Eindruck gewinnen müssen, dass ich meine Vorstellungen außerhalb eines Parteigremiums besser umsetzen kann. Zudem wird es im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf wichtig sein, einen Vorstand mit neuen Köpfen und frischen Ideen in Stellung zu bringen. Mein Wunsch ist, dass sich in künftigen Vorständen der Rosa Liste mehr Lesben engagieren als bisher. Ich will diese Mitteilung zum Anlass nehmen, an die Szene und die „Parteibasis“ zu appellieren, in den Anstrengungen um die Rechte der Lesben und Schwulen nicht nachzulassen. Natürlich ist zumindest in den großen Städten die Diskriminierung der Homosexualität fast kein Thema mehr. Dies ist den Schwulen-Bewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre zu verdanken.

Auch, wenn deren Forderungen inzwischen weitgehend durchgesetzt sind! und es uns besser geht als je zuvor, gibt es keinen Anlass, sich zufrieden zurück zu lehnen. Der Kampf um eine liberale Gesellschaft ist sicherlich ein Projekt des 20. Jahrhunderts. Aber die ersatzlose und vollständige Aufhebung des Paragraphen 175 ist gerade erst 18 Jahre her, im ländlichen Raum ist es nach wie vor riskant, sich zu outen, wir erleben gegenwärtig eine Renaissance des religiösen Fundamentalismus und wenn eine der nächsten Wirtschaftskrisen nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sein wird, werden wieder Minderheiten gesucht, die „schuld“ sind.

Die Energie und Dynamik der alten Schwulen-Bewegungen sind deshalb nicht nur historisches Vorbild, sondern die Voraussetzung dafür, das Erreichte zu erhalten.

Ich danke herzlichst.

Robert Maier-Kares 

 
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