| Sexism sells - Städtisches Hearing zu Hassmusik // Backstage disqualifiziert sich |
| Freitag, 5. Februar 2010 | |
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Liebe Freundinnen und Freunde, auf Antrag von Lydia Dietrich (Grüne) und mir fand letzten Dienstag im Großen Sitzungssaal ein Hearing zum Thema „Hassmusik" statt. So unerfreulich und fast unerträglich manche Musikbeispiele waren -so was hat das Rathaus bisher noch nicht gehört-, umso erfreulicher die sachliche Debatte und das rege Interesse an der erfreulich gut besuchten Anhörung. Damit wurde die Diskussion um gewaltverherrlichendem und homophobem Rap und Reggae politisch eröffnet - ohne Patentrezepte zu bieten. Jugendamt und Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, die das Hearing vorbereiteten, konnten auch äußerst kompetenten ReferentInnen zu Homophobie in der Musik gewinnen. Nora Sookee Hantzsch vom Berliner Verein „Cultures Interactives" konnte gleich zu Beginn an Beispielen aufzeigen, wie im Hip-Hop (männliche) Identität durch Abgrenzung gemacht wird: Frauen sind alle „Nutten" (außer Mutti) und Schwule keine richtigen Männer, also bedrohlich, und kriegen deshalb eins drauf. Damit spiegelt der Hip-Hop die Geschlechterhierarchie und Homophobie, die auch in der Gesellschaft zu finden ist, „nur pointierter". Indem dann noch Hassprediger gesellschaftsfähig gemacht werden, etablieren und normalisieren sich solche Abwertungen, was kein konsequenter Umgang sei. Bushido verunglimpfte Schwule im verbotenen „Arschfick-Song", wurde tabuisiert, jetzt zeigt sich sogar Horst Seehofer mit ihm und Bernd Eichinger bringt ihn ins Kino. Sexismus verkaufe sich eben. Da kann das Kreisverwaltungsreferat bei Auftritten, wie zuletzt von Bounty Killer oder Sizzla im Backstage, nur einschreiten, wenn es zu Straftaten kommt. Doch gerade die Battyman-Dancehall-Künstler erklären, dass sie ihre Hasssongs nicht spielen und halten sich auch dran. So auch die jamaikanische Gruppe T.O.K., die am 19.2. im Backstage auftritt, dort auf ihren Song „Chi Chi Man" mit Sätzen wie „Wenn Schwule in einem Auto sitzen, eröffnet das Feuer, lasst sie verbrennen" verzichten - um ihn in Jamaika zu spielen. „Die sehen das ganz betriebswirtschaftlich, wollen hier und dort Geld verdienen", erklärt der Reggae-Kenner und Journalist Martin Giese aus Hamburg. Klaus Jetz vom LSVD schlägt deshalb auch vor, für Auftrittserlaubnisse nicht nur Erklärungen auf Unterlassung zu verlangen, sondern die Künstler auch zu Spenden an Schwulenorganisationen im schwulenfeindlichen Jamaika zu verpflichten - und dies auch dort publik zu machen. Thomas Lechner, Veranstalter von queerbeat, sieht dabei auch seine Kollegen in der Verantwortung, hasspredigende Sänger nicht auftreten zu lassen. Außerdem müsste die Arbeit mit Jugendlichen verstärkt werden, die oft nicht wissen, was da überhaupt gesungen wird. Frau Hantsch plädierte für Übersetzung, Verschriftlichung und: „den Beat rausnehmen". „Den Beat rausnehmen" - das sollte sich auch Hans-Georg Stocker, Veranstalter des Backstage, zu Herzen nehmen. Er hatte zunächst beim Jugendamt gegen die Veranstaltung protestiert: „So wie das Ganze gestaltet ist wird es da überhaupt keine im Ansatz für eine objektive Bewertung der Sache geben - im Gegenteil drohen hier nur die Interessen einer kleinen Minderheitengruppe selbst innerhalb der Lesben und Schwulenszene verfolgt zu werden und den anwesenden Stadträten ein verheerendes total verfälschtes und einseitiges Bild dieser Angelegenheit vermittelt werden. Dies würde weitreichende und katastrophale Folgen nicht nur für uns und anderen hier herausragenden kulturellen und sozialen Zentren, sondern für ganze Jugendkulturszenen und das allgemeine politische Leben hier in unserer Stadt haben." Und noch eine viertel Stunde vor Beginn mailte er an den Oberbürgermeister und die Stadträte (nicht an mich): „Wir legen hiermit rein vorsorglich im Vorfeld dieser Veranstaltung ausdrücklichen Protest gegen diese ein! Wir müssen befürchten, dass dieses Hearing nicht nur in unseren Augen äußerst undemokratisch und vor allem unrechtsstaatlich verlaufen - sondern hier erstmal ein einseitiges und absolut verfälschtes Bild ganzer Jugendkultur- und Musikszenen dargestellt wird. Es wurde da weder das für diesen Sachverhalt eigentlich kompetente Kulturreferat einbezogen noch betroffene VeranstalterInnen und VerterInnen der Musikszenen, die hier in der drastischen Kritik stehen. Vielmehr kommen bei diesem überwiegend VerteterInnen, von bestimmten eher "fundamentalistisch "agierenden Verbänden zu Wort, die unserer Ansicht nicht einmal die Mehrheit der Meinung ihres eigenen Klientels vertreten." Für mich hat er sich damit in der Diskussion disqualifiziert - auch wenn er per mail am Nachmittag zurückruderte und seine Schreiben als politisch „suboptimal" bezeichnete und sich für die „blöde" Formulierung „unrechtsstaatlich" entschuldigte. Verstanden hat er offensichtlich nichts. Das Hearing hat jedenfalls gezeigt, dass es auch anders geht. Mit freundlichen Grüssen Thomas Niederbühl
Verantwortlich: Thomas Niederbühl, Adlzreiterstr.12, 80337 München, 0171-8348853, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können |